Sibirer ist nicht gleich Sibirer, wenn man die Standards der verschiedenen Verbände vergleicht zeigen sich teils massive Unterschiede:


Oben der beste Sibirer aus dem TICA-Verband unten die berühmteste Sibirer aus dem FIFé-Verband. Auch wenn die Bilder nicht aus der gleichen Perspektive sind stechen einem die unterschiedlichen Augen und die unterschiedliche Schnauze sofort ins Auge. Würde man beide Köpfe frontal vergleichen fällt auch auf, dass die TICA-Katze den deutlich runderen Kopf hat als die FIFé-Katze. Kaum zu glauben, dass es sich dabei um die gleiche Rasse handeln soll.
Ebenso eindrücklich ist ein Vergleich aus dem Essay von Alex Kolesnikov

Warum aber können verschiedene Katzen der gleichen Rasse derart unterschiedliche Merkmale aufweisen?
Einerseits liegt das daran, dass die Fotos zu unterschiedlichen Zeiten entstanden sind und sich die Rasse weiterentwickelt hat, andererseits hat es aber auch damit zu tun, dass die unterschiedlichen Verbände unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie die perfekte Katze aussehen soll. Mit ein Grund, warum wir uns 2019 dazu entschieden haben der TICA den Rücken zu kehren und uns der FIFé anzuschliessen.
Nachfolgend auszugsweise ein Vergleich aus den Standards von TICA (Amerikanisch), FIFé (Mitteleuropäisch) und WCF (ehem. Sowjetunion):
| TICA | FIFé | WCF | |
| Kopfform | Modifizierter Keil, Oberkopf breiter und verjüngt sich leicht zu einer voll gerundeten Schnauze. Die Wangenknochen sind weder hoch angesetzt noch ausgeprägt. | Etwas länger als breit, sanft gerundet, massiv, Backenknochen gut entwickelt | Kurz und breit mit tief gesetzten, breiten Wangenknochen, gerundeter Schnauze |
| Profil | Die Oberseite des Kopfes ist fast flach, mit einer leichten Nasenwölbung einer leichten Nasenwölbung, die sich von der Stirn bis zur Nase und einer leichten konvexen Wölbung vor der Nasenspitze im im Profil betrachtet. | Die Stirn ist breit, ganz leicht gerundet. Die Nase ist breit, mittellang, zeigt im Profil eine leichte Einbuchtung, jedoch ohne Stopp | Die Stirn ist leicht gewölbt. Die Konturen der Nase sind leicht sanft gerundet, das Profil ist leicht geschwungen. |
| Ohren | Mittelgross, abgerundet, breit am Ansatz und leicht nach vorne geneigt. Die Ohren sollten sowohl seitlich als auch oben am Kopf angesetzt sein. | Mittelgross, gut offen am Ansatz, die Spitzen sind gerundet mit gut entwickelten Haarbüscheln und Pinseln. Leicht nach vorne geneigt mit guter Weite zwischen den Ohren. | Mittelgross, breit am Ansatz mit leicht gerundeter Spitze. Sie sind weit gesetzt und leicht nach vorne geneigt. |
| Augen | Mittelgross bis gross, fast rund. Der äußere Winkel ist leicht zur Basis des Ohres hin geneigt. Die Augen sollten mehr als eine Augenbreite voneinander entfernt sein. | Gross, leicht oval geformt. Etwas schräg gestellt, weit auseinander gesetzt. | Gross, leicht oval und an der Unterseite gerundet, leicht schräg gestellt und weit auseinander stehend. |
| Pfoten | Gross und abgerundet, Haarbüschel zwischen den Zehen erwünscht | Gross, rund, gute Haarbüschel zwischen den Zehen. | Die Pfoten sind gross, kompakt und rund mit Haarbüscheln zwischen den Zehen |
| Körperbau | Der Körper ist mittellang, gut bemuskelt und der Rücken etwas höher gewölbt als die Schultern, mit einem tonnenförmigen, festen Bauch, der das Gefühl von festem Gewicht vermittelt (das mit dem Alter zunimmt). | Knochenbau und Muskulatur gut, kräftiger Nacken, breite Brust, Körper proportioniert, sodass er ein rechteckiges Aussehen ergibt. | Mittelgrosse bis grosse Katze ist muskulös und schwer. Der Hals ist kurz und kräftig. |
| Fell | Dies ist eine mäßig lange bis langhaarige Katze mit einem dreifachen Fell. Die Haare an den Schulterblättern und unteren Teil der Brust sind dicht und etwas kürzer. Es sollte gibt eine üppige Halskrause, die den Kopf abhebt. Es gibt eine dichte Unterwolle (bei ausgewachsenen Katzen), das bei kaltem Wetter dicker ist. Das Haar kann sich am Bauch und an den Hosen zu Locken verdichten Hosen, aber ein gewelltes Fell ist nicht charakteristisch. Die Textur variiert von grob bis weich, je nach Farbe | Halblang, gut entwickelt, sehr dicht. Das Unterfell liegt nicht flach an. Das Deckhaar ist wasserabstossend und greift sich etwas hart an. Das Sommerfell ist deutlich kürzer als das Winterfell. Das Winterfell zeigt eine gut entwickelte Hemdbrust, eine volle Halskrause und Knickerbocker | Das Fell ist mittellang. Die sehr dichte Unterwolle ist weich und fein, unter gröberem festem Deckhaar. Das dichte, oocker fallende Deckhaar ist Wasser abstossend, von fester, griffiger Struktur und glänzend. Es bedeckt den Rücken, die Flanken und Schwanzoberseite vollständig. Die Körperunterseite und die Rückseite der Hinterbeine besitzen nur Unterwolle. Am Hals, auf der Brust und an den Hosen und am Schwanz ist das Fell besonders lang. |
Im Gegensatz dazu steht die Ursprüngliche Beschreibung des „Urtyps“ der auch heute noch von älteren russischstämmigen Personen angestrebt wird:
…einen gedrungenen , kräftigen Körperbau zeigen. Im Sommer zeigt er wenig bis kaum Unterwolle, im Winter sehr üppige Unterwolle mit ausgeprägtem Kragen und Knickerbocker. Die Unterwolle ist weich und wärmend, das Deckhaar rau und Wasser abweisend.
Gallina Domnina, russisch-deutsche Züchterin
Der Schwanz sollte mittellang und möglichst buschig sein—auch im Sommer.
Der Kopf soll starkknochig und Kräftig sein. Die Ohren mittelgross, wobei die Ohrenlänge in etwa der Ohrbreite am Ansatz entsprechen soll und der Abstand zwischen den Ohren ca. 1—1.5x der Ohrbreite entspricht. Die Ohren sollen abgerundet und gut behaart sein, im Idealfall mit Pinseln.
Die Augen sollen gross, weit auseinander leicht schräg und abgerundet aber nicht rund sein. Die Schnurrhaarkissen sollen gut gefüllt, aber nicht herabhängend sein. Ein kräftiger Kiefer der auf alle Seiten die Kopfform abrundet ergänzt das harmonische Bild.
Für mich macht dieser „Ursprüngliche“ Typ auch durchaus Sinn. Denn ein guter Jäger braucht einen kräftigen (muskulösen) Körper und einen starken Kiefer um die Beute zu zerlegen. Die dichte Unterwolle schützt vor kalten Wintern, das wasserabweisende (ölige) Deckhaar schützt vor regnerischen Sommern und Herbsten und sorgt dafür, dass das Haar nicht leicht verknotet. Die Haare in den Ohren schützen vor Verschmutzung durch Sand und Insekten, ebenso der buschige Schwanz, der beim Schlafen über das Gesicht gelegt werden kann und damit nicht nur eine wärmende sondern auch eine filternde Funktion einnimmt.
Aus diesem Grund versuchen wir auch so gut wie möglich den ursprünglichen Typ zu züchten.

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